SARS-CoV-2 infiziert auch die Bauchspeicheldrüse

06. Apr 2021

Forschende der Ulmer Universitätsklinik konnten in einer Studie nachweisen, dass SARS-CoV-2 bei gravierenden Krankheitsverläufen die insulinproduzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse infiziert.

Bei einer Infektion mit SARS-Co-V-2 treten bei schweren Krankheitsverläufen häufiger Symptome auf, die auf eine gestörte Glucosehomöostase hinweisen, wie sie typischerweise bei Diabetes mellitus vom Typ 1 zu finden sind. Die Symptome reichen von Hyperglykämie bis hin zu einer Ketoazidose. Aktuelle Studien berichten sowohl über Verschlechterungen bekannter Diabetes mellitus Erkrankungen, als auch über Fälle von neu aufgetretenem Diabetes nach durchgemachter COVID-19 Erkrankung.

In der Ulmer Studie – einem gemeinsamen Projekt der Inneren Medizin 1, des Instituts für Molekulare Virologie und des Instituts für Pathologie – wurde untersucht, wie es bei COVID-19-Patientinnen und -Patienten zu diesen Diabetes-typischen Symptomen kommen könnte. Bisher fehlten experimentelle Beweise dafür, dass SARS-CoV-2 Pankreasgewebe infizieren kann.

Die Forschenden haben Gewebe aus der Bauchspeicheldrüse mit SARS-CoV-2 in Kontakt gebracht und so herausgefunden, dass sich die Langerhans‘schen Inseln mit dem Coronavirus infizieren lassen.

Hierdurch konnte gezeigt werden, dass SARS-CoV-2 ex vivo und in vivo Zellen der exokrinen und endokrinen Bauchspeicheldrüse des Menschen infiziert. Die Infektion ist mit morphologischen und funktionellen Veränderungen verbunden, einschließlich einer verringerten Anzahl von Insulin-sekretorischen Granulaten in β-Zellen und einer beeinträchtigten Glukose-stimulierten Insulinsekretion.

Bei Autopsien an verstorbenen COVID-19-Patienten zeigte sich eine SARS-CoV-2-Infektion des Pankreas. Selbst nachdem in der Lunge keine Virusproteine mehr zu finden waren, konnten diese in der Bauchspeicheldrüse noch nachgewiesen werden.

Insgesamt wurde also die menschliche Bauchspeicheldrüse als Ziel einer SARS-CoV-2-Infektion identifiziert, sodass eine β-Zell-Infektion zur metabolischen Dysregulation beitragen könnte.

Noch offen ist die Frage, ob die akut auftretenden Beeinträchtigungen der Insulinproduktion bei COVID-19-Patienten langfristig zu einer Diabetes-Erkrankung führen können. Hierzu sind weitere Studien notwendig.



Redaktion: Dr. med. Martina Weiß

Quellen:

https://www.uni-ulm.de/med/fakultaet/med-detailseiten/news-detail/article/erst-corona-und-dann-zuckerkrank-ulmer-studie-sars-cov-2-infiziert-auch-die-bauchspeicheldruese/
https://www.nature.com/articles/s42255-021-00347-1

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