27. Nov 2025

Bericht des RKI zu Syphilis in Deutschland 2023/24

Neuer Höchststand von Infektionen mit verlangsamter Dynamik

Die Syphilis ist eine durch Treponema pallidum verursachte Erkrankung, die nur beim Menschen vorkommt und sexuell, durch Blut und intrauterin von der Mutter auf das Kind übertragen wird. Sie verläuft typischerweise in drei Stadien und kann durch Antibiotika geheilt werden, wobei wiederholte Infektionen möglich sind. Im Jahr 2024 wurden dem Robert Koch-Institut 9.519 Syphilis-Fälle gemeldet – ein neuer Höchststand in Deutschland. Im vorliegenden Bericht werden die Meldedaten sowie die epidemiologische Entwicklung detailliert vorgestellt und diskutiert.

Die Syphilis verläuft typischerweise in drei Stadien: Ein sogenannter Primäraffekt (ein meist schmerzloses Geschwür an der Eintrittsstelle) bildet sich wenige Tage bis Wochen nach der Infektion. Im Sekundärstadium macht sich die Erkrankung durch Allgemeinsymptome und Hauterscheinungen bemerkbar und im Tertiärstadium (Jahre nach der Erstinfektion) kann es zur Schädigung des zentralen Nervensystems und der Blutgefäße kommen. Symptomfreie Phasen werden als Latenz bezeichnet. In Abhängigkeit von der seit der Infektion vergangenen Zeitspanne wird zwischen Früh- (bis etwa ein Jahr nach der Infektion) und Spätlatenz unterschieden. Infektiös sind Personen im Primär- und Sekundärstadium sowie während der Frühlatenz. Die Infektion kann durch Antibiotika geheilt werden; wiederholte Infektionen sind möglich.

Seit Ende der Siebziger- bis Anfang der Neunzigerjahre war ein Rückgang der Syphilis-Meldungen zu verzeichnen. Nach der Einführung einer Labormeldepflicht für Syphilis-Diagnosen durch das IfSG stieg die Zahl der gemeldeten Infektionen zwischen den Jahren 2001 und 2004 zunächst an, wobei sich dieser Anstieg auf Männer beschränkte. Zwischen den Jahren 2004 und 2008 stabilisierten sich die Syphilis-Meldezahlen auf einem Niveau von ca. 4.000 pro Jahr. Im Jahr 2009 sank die Anzahl der gemeldeten Syphilis-Fälle, seit 2010 stieg sie bis 2019 annähernd kontinuierlich an. In den beiden Folgejahren kam es pandemiebedingt zu einem Abfall, gefolgt von einem starken Anstieg im Jahr 2022.

Im Jahr 2024 wurden dem RKI 9.519 Syphilis-Fälle gemeldet, damit wurde in Deutschland ein neuer Höchststand erreicht. Im Jahr 2023 wurden 9.159 Fälle gemeldet. Nach der, nach dem Ende der COVID-19-Pandemie 2022, beobachteten starken Zunahme der Fälle schwächte sich der Anstieg im zweiten Jahr in Folge deutlich ab. Die höchste Inzidenz mit 42,8 Fällen/100.000 wiesen 30- bis 39-jährige Männer auf. Der Frauenanteil bei den gemeldeten Syphilis-Fällen lag im Jahr 2024 bei 7,6 % (2023; 6,7 %) und damit leicht über dem Niveau der Vorjahre. Das für die Syphilis-Fälle im Jahr 2024 berichtete Alter lag bundesweit im Median bei 41 Jahren. Die Zahl der bei Neugeborenen bzw. Kindern diagnostizierten Fälle von konnataler Syphilis lag in den Jahren 2001 bis 2022 zwischen einem und sieben Fällen pro Jahr. Im Jahr 2023 wurden vier Fälle gemeldet, im Jahr 2024 acht Fälle. Auch wenn im Jahr 2024 eine leicht erhöhte Zahl von Fällen konnataler Syphilis gemeldet wurden, verblieb die Anzahl in Deutschland im zeitlichen wie auch im internationalen Vergleich auf niedrigem Niveau. Dies zeigt, dass das Syphilis-Screening im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge in Deutschland als effektives Präventionsinstrument wirksam ist.

Im Jahr 2024 handelte es sich bei 25,1 % aller Fälle um ein Primärstadium, bei 17,1 % um ein Sekundärstadium, bei 1,5 % um ein Tertiärstadium. Bei 24,0 % um eine Infektion im Stadium der Früh-, bei 2,1 % der Spätlatenz sowie bei 27,5 % der Fälle um Diagnosen ohne bekannte Dauer der Latenz, 2,7 % blieben ohne Angabe. Im Verlauf der letzten Jahre nahm der Anteil der Fälle mit Angabe eines Primärstadiums leicht ab, der Anteil der Fälle im Stadium der Frühlatenz leicht zu. Für 90,4 % aller Fälle, die 2024 im Primärstadium gemeldet wurden, wurde die Diagnose eines Primäraffekts und dessen Lokalisation berichtet. Für 71,7 % dieser Fälle wurde eine genitale, für 15,8 % eine anale und für 12,6 % eine orale Lokalisation gemeldet.

Ein nicht befriedigend lösbares Problem stellt die Einordnung einer Neumeldung eines bereits zuvor gemeldeten Syphilis-Falls entweder als Reinfektion oder als Reaktivierung bei nicht ausreichender Behandlung (Syphilis non satis curata) dar.

Quelle:

https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/39_25.pdf?__blob=publicationFile&v

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