Aktualisierte internationale, evidenzbasierte Leitlinie für die Diagnostik und Therapie des PCO-Syndroms 2023

29. Feb 2024

Die neue internationale Leitlinie rückt insbesondere die Bedeutung des PCO-Syndroms für das kardiovaskuläre Risikoprofil und die psychische Gesundheit der betroffenen Frauen in den Vordergrund.

Die neue internationale Leitlinie rückt insbesondere die Bedeutung des PCO-Syndroms für das kardiovaskuläre Risikoprofil und die psychische Gesundheit der betroffenen Frauen in den Vordergrund.

Das PCO-Syndrom betrifft weltweit ca. 10-13 % der Frauen. Während der reproduktiven Lebensphase stehen Zyklusstörungen, Androgenisierungserscheinungen, Subfertilität und Schwangerschaftskomplikationen im Vordergrund. Auch Depressionen und Angststörungen treten häufiger auf. Darüber hinaus geht das PCO-Syndrom mit einer höheren Prävalenz von Adipositas, Dyslipidämien, gestörter Glucosetoleranz und Diabetes mellitus Typ 2, nicht alkoholinduzierten Fettlebererkrankungen, obstruktiver Schlafapnoe und kardiovaskulären Erkrankungen einher, welche nicht auf die fertile Lebensphase begrenzt sind (2,3).

Die Pathogenese des PCO-Syndroms ist bislang nicht vollständig geklärt. Verschiedene genetische, epigenetische und Umweltfaktionen scheinen bei der Entstehung von chronischer Inflammation, Insulinresistenz, Übergewicht und Androgenisierung eine Rolle zu spielen (4).

Diagnostik

Ein Screening auf ein PCO-Syndrom wird bei Zyklusunregelmäßigkeiten, Amenorrhoe und Androgenisierungserscheinungen empfohlen. Die Diagnosestellung des PCO-Syndroms sollte nach den modifizierten Rotterdam-Kriterien erfolgen, welche neben oligo-/anovulatorischen Zyklen, klinischer Androgenisierung und/oder Hyperandrogenämie und polyzystischer Ovarmorphologie nun auch die Bestimmung des Anti-Müller-Hormons (AMH) beinhalten. Die Diagnose eines PCO-Syndroms kann gestellt werden, wenn mindestens zwei der genannten Kriterien erfüllt und andere Ursachen einer Androgenisierung ausgeschlossen sind. Eine bestehende hormonelle Kontrazeption sollte für eine verlässliche Diagnostik 3 Monate zuvor pausiert werden.

Insbesondere bei ausgeprägten bzw. rasch progredienten oder postmenopausal neu aufgetretenen Androgenisierungserscheinungen müssen andere Ursachen wie androgen- oder cortisolproduzierende Neoplasien, eine Hyperthecosis ovarii, genetische oder iatrogene Ursachen ausgeschlossen werden.

Therapie

Zentrale Bausteine der Therapie sind eine medizinisch fundierte, kultursensible und individuell angepasste Aufklärung und ein gesunder Lebensstil. Durch gesunde Ernährung, körperliche Aktivität und aktives Gewichtsmanagement können Fertilität und metabolische und kardiovaskuläre Risiken nachweislich positiv beeinflusst werden. Begleitend werden regelmäßige Kontrollen von Blutdruck (jährlich) und Lipid- und Glucosestoffwechsel (bei Diagnosestellung und anschließend alle 1-3 Jahre abhängig vom Risikoprofil) empfohlen.

Androgenisierungserscheinungen sollten kosmetisch behandelt werden. Bei allen pharmakologischen Therapieansätzen handelt es sich um off-label-Therapien. Die medikamentöse Therapie sollte nach den für die Patientin führenden Symptomen ausgewählt werden. Bei Zyklusstörungen oder Hirsutismus können kombinierte hormonelle Kontrazeptiva eingesetzt werden, wobei die kleinste wirksame Östrogendosis gewählt werden sollte (z.B. 20-30 µg Ethinylestradiol). Zur alleinigen Kontrazeption und zum Schutz vor Endometriumhyperplasie bei Oligo-/Amenorrhoe können alternativ reine Gestagen-Präparate oral oder in Form einer Hormonspirale eingesetzt werden.

Antiandrogene wie Cyproteronacetat, Spironolacton oder Finasterid sollten aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen nur bei unzureichender Kontrolle der Androgenisierungserscheinungen unter kombinierter hormoneller Kontrazeption und ausschließlich unter sicherer Verhütung angewendet werden.

Metformin kann insbesondere bei übergewichtigen Patientinnen zur Verbesserung von Glucose- und Fettstoffwechsel sowie zur Zyklusregulation eingesetzt werden. Die Effektivität ist dabei vergleichbar mit der einer aktiven Lebensstilmodifikation.

Psychologische Faktoren

Frauen mit PCO-Syndrom haben ein höheres Risiko für Essstörungen, leichte bis mittelgradige Depressionen und Angststörungen. Zudem können Androgenisierung, Adipositas und Subfertilität die Lebensqualität der betroffenen Frauen signifikant beeinträchtigen. Die effektive Behandlung der körperlichen Symptome ist daher auch unter dem Aspekt der psychischen Gesundheit essenziell.

Abhängig vom Ausmaß der psychischen Symptome sollte den Betroffenen psychologische Unterstützung und falls erforderlich auch eine medikamentöse, antidepressive Therapie angeboten werden. Dabei sollten Medikamente bevorzugt werden, die die Symptome des PCO-Syndroms nicht zusätzlich verstärken.

Kinderwunsch und Schwangerschaft

Für Frauen mit PCO-Syndrom und Kinderwunsch gelten die allgemeinen Empfehlungen bezüglich Ernährung, Folsäuresupplementation, Gewichtsmanagement, Alkohol- und Nikotinkonsum. Aufgrund einer höheren Prävalenz von Schwangerschaftskomplikationen wie Bluthochdruck, Präeklampsie, Fehl- und Frühgeburtlichkeit, intrauteriner Wachstumsrestriktion und Gestationsdiabetes (5) werden regelmäßige Blutdruckkontrollen vor und während der Schwangerschaft sowie ein zusätzlicher 75g-oGTT präkonzeptionell oder im 1. Trimenon empfohlen.

Bei unerfülltem Kinderwunsch wird als Erstlinientherapie eine Ovulationsinduktion mit Letrozol empfohlen. Bei ausbleibendem Erfolg sollte eine reproduktionsmedizinische Behandlung in einem spezialisierten Zentrum erfolgen.

Redaktion: Dr. Nina Schlüter

Quelle(n):

1) Helena Teede et al. International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of Polycystic Ovary Syndrome 2023. Monash University. https://doi.org/10.26180/24003834.v1

Evidence-Based-Guidelines-2023.pdf (monash.edu)

2) Cooney LG, Dokras A. Beyond fertility: polycystic ovary syndrome and long-term health. Fertil Steril. 2018 Oct;110(5):794-809. doi: 10.1016/j.fertnstert.2018.08.021. PMID: 30316414.

3) Guan C, Zahid S, Minhas AS, Ouyang P, Vaught A, Baker VL, Michos ED. Polycystic ovary syndrome: a "risk-enhancing" factor for cardiovascular disease. Fertil Steril. 2022 May;117(5):924-935. doi: 10.1016/j.fertnstert.2022.03.009. PMID: 35512976.

4) Sadeghi HM, Adeli I, Calina D, Docea AO, Mousavi T, Daniali M, Nikfar S, Tsatsakis A, Abdollahi M. Polycystic Ovary Syndrome: A Comprehensive Review of Pathogenesis, Management, and Drug Repurposing. Int J Mol Sci. 2022 Jan 6;23(2):583. doi: 10.3390/ijms23020583. PMID: 35054768; PMCID: PMC8775814.

5) Palomba S, de Wilde MA, Falbo A, et al.: Pregnancy complications in women with polycystic ovary syndrome, Hum Reprod Update 2015; 21 (5): 575–92.

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