Ergebnisse des Forschungsprojekts „Frauen 5.0“ veröffentlicht

02. Okt 2020

In der Juni Ausgabe des Journal of Health Monitoring wurden die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Frauen 5.0“ veröffentlicht, welches sich mit der Gesundheit und Versorgung von Frauen ab 50 Jahren beschäftigt.

Der erste Focus-Beitrag der Ausgabe beschreibt gynäkologische Erkrankungen und Operationen bei Frauen im Altersverlauf sowie Beratungs- und Behandlungsanlässe in gynäkologischen Praxen bei Frauen ab 50 Jahren in Deutschland.

Datengrundlage sind die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1, 2008 – 2011) des Robert Koch-Instituts sowie die vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) zur Verfügung gestellten Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen aus dem Jahr 2016. Die Daten der DEGS1-Studie weisen auf Krebsfrüherkennungsuntersuchungen sowie Wechseljahresbeschwerden als wichtige mögliche Gründe für eine gynäkologische Inanspruchnahme hin. Demnach nahmen 65,0 % der 50- bis 79-jährigen Frauen innerhalb von zwölf Monaten eine Tastuntersuchung der Brust in Anspruch, 58,0 % einen Zellabstrich vom Gebärmutterhals (Pap-Abstrich). 47,2 % der Frauen hatten ihre letzte Regelblutung mit 50 Jahren oder später. Nach KV-Daten wurden Wechseljahresbeschwerden (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, ICD-10: N95) mit 45,3 % der Fälle und diagnostische Verfahren zur Erkennung von Tumorerkrankungen (ICD-10: Z12) mit 33,1 % der Fälle am häufigsten abgerechnet. Insgesamt ergibt sich ein Bild der Beratungs- und Behandlungsanlässe von Frauen ab 50 Jahren, die auch bei der Versorgungsplanung und -gestaltung berücksichtigt werden sollten.

Im Mittelpunkt des zweiten Focus-Beitrags steht die Inanspruchnahme gynäkologischer und allgemeinärztlicher Leistungen durch Frauen im mittleren und höheren Lebensalter.

    Auf der Datenbasis der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1, 2008 – 2011) wird die gynäkologische und allgemeinärztliche Inanspruchnahme von Frauen mit Fokus auf die Altersgruppe 50 Jahre und älter untersucht, mit Daten des Bundes-Gesundheitssurveys 1998 (BGS98) verglichen und auf Basis dieser sowie weiterer Daten die mögliche aktuelle Entwicklung diskutiert. Während die allgemeinärztliche Inanspruchnahme im Altersverlauf mit stets über 80 % konstant hoch liegt, sinkt die gynäkologische Inanspruchnahme mit zunehmendem Alter. Rund 60 % der Frauen ab 50 Jahren besuchen mindestens einmal im Jahr eine gynäkologische Praxis. Sozioökonomischer Status und Wohnort stellen sich als wichtige Determinanten der Inanspruchnahme bei Frauen im mittleren und höheren Lebensalter heraus. Etwa die Hälfte der Frauen ab 50 Jahren hat mindestens einmal im Jahr sowohl Ärztinnen und Ärzte für Gynäkologie als auch für Allgemeinmedizin in Anspruch genommen. Unter 10 % haben nur Gynäkologinnen und Gynäkologen aufgesucht, etwa ein Drittel hat von den beiden Facharztgruppen nur Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin konsultiert. Im Vergleich zum BGS98 haben in DEGS1 die allgemeinärztliche und die gynäkologische Inanspruchnahme deutlich zugenommen, allerdings lässt sich aus Krankenkassendaten kein Anstieg der gynäkologischen Inanspruchnahme zwischen 2008 und 2018 ablesen.

Die Ergebnisse legen nahe, Allgemeinärztinnen und -ärzte stärker für gynäkologische Beratungs- und Behandlungsbedürfnisse von Frauen im mittleren und höheren Lebensalter zu sensibilisieren.

Zwei Fact sheets untersuchen darüber hinaus Zugangsbarrieren zur gesund­heitlichen Versorgung bei Frauen ab 50 Jahren in Deutschland sowie die demografische Situation der weiblichen Bevölkerung in der Region Nordost.

Mit Daten der Studie Gesundheit in Deutschland aktuell (GEDA 2014/2015-EHIS) wurden Zugangsbarrieren zur Gesundheitsversorgung für Frauen ab 50 Jahren in Deutschland untersucht. 21,0 % der Frauen berichteten von Schwierigkeiten, in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung rechtzeitig einen Untersuchungstermin zu bekommen. Der Anteil der Frauen mit einer aufgrund der Entfernung verzögerten ärztlichen Untersuchung liegt unter 5%. Frauen in Großstädten mussten häufiger innerhalb eines Jahres auf einen Untersuchungstermin warten als Frauen in kleineren Gemeinden, bei denen wiederum häufiger als bei Frauen in Großstädten aufgrund der Entfernung ein Untersuchungstermin verspätet stattfand. Aus den Ergebnissen lassen sich Hinweise für die Versorgungsplanung ableiten.

Die drei Bundesländer Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sind gekennzeichnet durch sehr dicht besiedelte und sehr dünn besiedelte Regionen. Die weibliche Bevölkerung in den dünn besiedelten Regionen ist im Mittel älter als die in den dichter besiedelten. Für die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung stellen insbesondere die dünn besiedelten Regionen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern eine enorme Herausforderung dar. Die geringe Bevölkerungsdichte und die damit verbundene Angebotsdichte der gesundheitlichen Versorgung sind mit längeren Wegezeiten für Menschen in ländlichen Räumen zu Einrichtungen der Gesundheitsversorgung assoziiert. Dies ist vor allem für ältere Menschen, deren Mobilität aus gesundheitlichen Gründen eingeschränkt ist, problematisch, vor allem, wenn diese über keinen Pkw verfügen können.



Redaktion: Dr. med. Martina Weiß

Quelle:

https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsJ/JoHM_02_2020_Versorgung_Frauen_ab_50_Jahre.pdf;jsessionid=9CD4D2B79AC559894D26C92EFC15ECA9.internet122?__blob=publicationFile

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