Influenzaimpfung für die Saison 2020/21

04. Sep 2020

Die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut (RKI) hat in einer Stellungnahme die aktuellen Empfehlungen zur saisonalen Influenzaimpfung für die Influenzasaison 2020/21 bestätigt.

Impfpung

Angesichts der aktuellen COVID-19-Pandemie wird von verschiedenen Seiten derzeit die Meinung geäußert, dass die Indikation für eine Influenzaimpfung auf die gesamte Bevölkerung ausgeweitet werden sollte. Die STIKO betont jedoch, dass entsprechend den aktuellen STIKO-Impfempfehlungen bevorzugt die Bevölkerungsgruppen geimpft werden sollen, die ein besonders hohes Risiko für schwere Verläufe einer Influenza haben.

Da die Epidemiologie von Influenza und COVID-19 hinsichtlich der Risikogruppen für schwere Krankheitsverläufe sehr deutliche Parallelen aufweist, ist die STIKO davon überzeugt, dass für die kommende Influenzasaison 2020/21 eine hohe Impfquote in den Risikogruppen erreicht werden muss, um neben dem individuellen Schutz auch das Gesundheitssystem zu entlasten.

Nach Kenntnis der STIKO werden für die kommende Saison 2020/21 in Deutschland ca. 25 Mio. Dosen Influenzaimpfstoff verfügbar sein. Obwohl dies deutlich mehr Impfstoffdosen sind als in den vergangenen Jahren, würden diese aber nicht für die Impfung der gesamten Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland ausreichen.

Die STIKO unterstreicht ihre Empfehlung, dass mit den verfügbaren Impfstoffdosen insbesondere die Personengruppen vollständig gegen Influenza geimpft werden sollten, die ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe einer Influenza (oder von COVID-19) mit einem hohen Risiko einer Hospitalisierung haben (z. B. Senioren, Menschen mit chronischen Grundleiden) oder die beruflich besonders exponiert und epidemiologisch bedeutsam sind, weil es durch sie zu nosokomialen Übertragungen in Krankenhäusern, Pflege- und Senioreneinrichtungen kommen könnte. Zudem sollten auch Schwangere und BewohnerInnen in Alters- oder Pflegeheimen möglichst gegen Influenza geimpft werden.

  • Die geringen Impfquoten in der Saison 2018/19 in den Risikogruppen (ca. 35% bei Personen im Alter von ≥ 60 Jahren und nur ca. 20–50% bei Personen mit chronischen Grundleiden) verdeutlichen die hier dringend erforderliche Verbesserung.
  • Allein für die vollständige Umsetzung der bestehenden STIKO-Impfempfehlungen wären etwa 40 Mio. Dosen Influenzaimpfstoff notwendig. Durch eine Ausweitung der Impfempfehlung auf die gesamte Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland könnte es zu einer Unterversorgung der Risikogruppen kommen, die besonders von der Impfung profitieren würden und durch deren Impfschutz man das Gesundheitssystem besonders entlasten möchte. Entsprechend könnte sich eine Ausweitung der Empfehlung derzeit sogar als kontraproduktiv erweisen.

  • Die Schutzeffekte für die Gemeinschaft durch Impfung von Nicht-Risikogruppen werden aufgrund von kontaktreduzierenden Maßnahmen im Rahmen der COVID-19-Bekämpfung von begrenzter Wirkung sein. Dies belegen auch Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) für den Monat März 2020, die zeigen, dass die Influenzameldungen mit Beginn der Kontaktbeschränkung im Vergleich zu den Vorjahren sehr deutlich und abrupt sanken.
  • Koinfektionen durch SARS-CoV-2 und Influenzaviren wurden in der Literatur beschrieben, deuten bislang jedoch nicht auf schwerere Verlaufsformen für COVID-19 in Nicht-Risikogruppen hin, sodass derzeit eine generelle Impfempfehlung auch in Bezug auf dieses mögliche Impfziel nicht evidenzbasiert begründet werden kann.
  • Um die Impfquoten entsprechend den STIKO-Empfehlungen zu steigern, muss die Kommunikation diesbezüglich vor Beginn der kommenden Influenzasaison intensiviert werden.
  • Die STIKO sieht gegenwärtig keine Gründe, in diesem Jahr besonders frühzeitig mit der Influenza-impfung zu beginnen. Sie bekräftigt hingegen, dass eine Influenzaimpfung durchaus auch noch später im Verlauf der Influenzasaison sinnvoll sein kann, wenn eine Impfung vor Saisonbeginn verpasst wurde.
  • Grundsätzlich kann auch anderen Personen, die nicht explizit von der STIKO genannt sind, eine Influenzaimpfung auf Basis individueller Erwägungen gegeben werden.

Zusammengefasst ist zum Schutz der Menschen und zur Entlastung des Gesundheitssystems in der kommenden Influenzasaison 2020/21 mit den verfügbaren Impfstoffmengen der größte Effekt erzielbar, wenn die Influenzaimpfquoten entsprechend der STIKO-Empfehlungen vor allem in den Risikogruppen erheblich gesteigert werden.



Redaktion: Dr. med. Martina Weiß

Quelle:

Ständige Impfkommission beim RKI: Stellungnahme der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) – Bestätigung der aktuellen Empfehlungen zur saisonalen Influenzaimpfung für die Influenzasaison 2020/21 in Anbetracht der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie · Epid Bull 2020;32/33:28–30 | DOI 10.25646/7040

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