Neues Masernschutzgesetz seit 01.03.2020

03. Jun 2020

Wenn Schulen und Kindergärten allmählich wieder geöffnet werden, muss auch die Umsetzung des Masernschutzgesetzes, beachtet werden. Das Gesetz ist am 1. März 2020 in Kraft getreten.

Impfpass

Seit Anfang des Jahres ist die Coronakrise das beherrschende infektiologische Thema. Wenn nun Schulen und Kindergärten allmählich wieder geöffnet werden, muss auch die Umsetzung des Masernschutzgesetzes, mit dem vor allem Schul- und Kindergartenkinder wirksam vor Masern geschützt werden sollen, beachtet werden. Das Gesetz ist am 1. März 2020 in Kraft getreten.

Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten beim Menschen überhaupt. Sie werden in der Regel durch das Einatmen infektiöser Tröpfchen übertragen, die beim Sprechen, Husten oder Niesen entstehen, sowie durch Kontakt mit infektiösen Sekreten aus Nase oder Rachen. Da sich infektiöse Tröpfchen längere Zeit in der Luft befinden können, kann eine Übertragung von Masernviren auch ohne direkten Kontakt mit einer infektiösen Person stattfinden (z. B. durch Aufenthalt in einem Raum, in dem sich kurz zuvor ein Masern-Erkrankter befand). Eine an Masern erkrankte Person kann schätzungsweise bis zu 18 weitere empfängliche Personen anstecken.

In Deutschland wird seit über 40 Jahren gegen Masern geimpft. Seitdem ist die Anzahl der Masernerkrankungen deutlich zurückgegangen. In manchen Jahren gibt es jedoch immer noch hohe Fallzahlen, schwere Komplikationen und Todesfälle aufgrund von Masern. Hohe Impfquoten sorgen für eine Unterbrechung der Infektionsketten und tragen damit zu einer Eindämmung der Viruszirkulation und damit zur Elimination des Masernvirus bei. Bei einer Immunität in der Bevölkerung von 95 % und mehr können damit auch wirksam Personen geschützt werden, die (noch) nicht geimpft werden können – dazu zählen beispielsweise Säuglinge, Personen mit Einschränkungen des Immunsystems oder ungeschützte schwangere Frauen. Mit der Impfung schützt der Geimpfte also nicht nur sich selbst, sondern trägt auch zu einem Gemeinschaftsschutz bei. In Deutschland lag die Impfquote bei Schulanfängern bei 92,8%.


Nach dem neuen Gesetz gelten folgende Regelungen:

  • Kinder ab einem Alter von einem Jahr müssen eine und ab zwei Jahren zwei Impfungen gegen Masern oder ausreichende Immunität gegen Masern vorweisen, wenn sie in einer Gemeinschaftseinrichtung nach § 33 Nummer 1 bis 3 IfSG oder in einem Kinderheim betreut werden oder wenn sie in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber und Flüchtlinge untergebracht sind.
  • Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden, müssen zwei Impfungen gegen Masern oder eine ausreichende Immunität gegen Masern vorweisen, wenn sie in Gemeinschaftseinrichtungen oder Gemeinschaftsunterkünften oder in Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern und Arztpraxen (nach §23 Absatz 3 Satz 1 IfSG) tätig sind
  • Für Kinder, die bereits vor dem 1. März 2020 einen Kindergarten oder eine Schule besuchten, sowie für Beschäftigte in Gemeinschafts- und Gesundheitseinrichtungen muss der Nachweis bis zum 31. Juli 2021 erbracht werden.
  • Personen, bei denen eine medizinische Kontraindikation (dauernd oder vorübergehend) vorliegt, müssen dies durch ein ärztliches Zeugnis bescheinigen lassen.

Welcher Nachweis muss nach Masernschutzgesetz erbracht werden?

Das Masernschutzgesetz sieht drei Möglichkeiten vor, wie Personen, die unter das Masernschutzgesetz fallen, ihren Masernschutz nachweisen können:

  1. Durch eine Impfdokumentation darüber, dass der nach Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) altersgerechte Impfschutz besteht,

  2. Durch ein ärztliches Zeugnis über einen altersgerechten Impfschutz oder eine durch Labornachweis bestätigte bestehende Immunität (serologische Antikörperbestimmung) oder eine Befreiung von der Masernimpfung wegen einer medizinischen Kontraindikation

  3. Durch die Bestätigung einer zuvor besuchten Einrichtung oder einer staatlichen Stelle, dass ein entsprechender Nachweis dort bereits vorgelegt wurde.

Grundsätzlich gilt: Anamnestische Angaben zu durchgemachten Erkrankungen gelten nicht als beweisend für eine durchgemachte Erkrankung, wenn nicht im Rahmen der akuten Erkrankung eine Laboruntersuchung in Auftrag gegeben wurde, die die Infektion eindeutig belegt.

Anpassung der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission

Parallel zum Masernschutzgesetz hat die STIKO ihre Empfehlungen zur beruflichen Indikation der Masern-, Mumps- und Rötelnimpfungen angepasst. Für nach 1970 geborene Personen (einschließlich Auszubildende, PraktikantInnen, Studierende und ehrenamtlich Tätige) ist die MMR-Impfung mit zwei Impfstoffdosen in folgenden Tätigkeitsbereichen indiziert:

  • Medizinische Einrichtungen (gemäß § 23 Absatz 3 Satz 1 IfSG) inklusive Einrichtungen sonstiger humanmedizinischer Heilberufe
  • Tätigkeiten mit Kontakt zu potenziell infektiö­sem Material
  • Einrichtungen der Pflege (gemäß § 71 SGB XI)
  • Gemeinschaftseinrichtungen (gemäß § 33 IfSG)
  • Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung von Asylbewerbern, Ausreisepflichtigen, Flüchtlingen und Spätaussiedlern (gemäß § 36 Absatz 1 Nummer 4 IfSG),
  • Fach-, Berufs- und Hochschulen.

Antikörperbestimmung

Laboranforderung zur Abklärung des Masernschutzes:

Untersuchung: Masern-Virus-IgG-Antikörper

Material: 1 ml Serum



Redaktion: Dr. med. Martina Weiß

Quellen:

Küpke NK, Matysiak-Klose D, Siedler A, Wichmann O, Diercke M: Gesetz für den Schutz vor Masern und zur Stärkung der Impfprävention (Masernschutzgesetz)Epid Bull 2020;10:3 – 5 | DOI 10.25646/6526

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/10_20.pdf?__blob=publicationFile

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